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Arbeitsgruppe “Kastelburg in Not”
unter dem Dach des Heimat- und Verkehrsvereins Waldkirch und Umgebung e. V.
Kleiner Film von der Kastelburg
Herr Hans - J├╝rgen van Akkeren, Betreiber der Seite “Breisgau - Burgen” hat uns freundlicherweise erlaubt sein Video von der Kastelburg zu verlinken. Urheberrechte beachten.
Bitte untenstehenden Baken “Film” anklicken.
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Film ab

 

Meine Burg, meine Stadt, mein Geld
KLEINE BURGENKUNDE IV: Die Kastelburg bei Waldkirch war Sitz eines Raubritters / Erlebniss- touren halten Geschichte lebendig

WALDKIRCH. Das Gebiet rund um den Oberrhein ist reich an Burgen. Sechs von ihnen stellen wir in einer kleinen Serie vor - als kurzer Ausflug in die Geschichte der Region und als Ausflugstipp. Heute: die Kastelburg bei Waldkirch, die alles hat, was eine Ritterburg so braucht - au├čer ein Gespenst.

Die Kastelburg hat nicht nur einen m├Ąchtigen Bergfried zu bieten, sondern auch eine Geschichte mit tragischem Held, einem Raubritter, vielen Gefangenen, gro├čem Kampf und ein Ende in Flammen - aber der Reihe nach: Erbaut wird sie Anfang des 13. Jahrhunderts.

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Gruselige Geschichten ranken sich um die Ruine am Eingang des Elztals.
(FOTO: GERHARD WALSER)

Da hat der Adel zwar l├Ąngst die Schwarzenburg auf der anderen Talseite, aber auch den gro├čen Plan, eine neue Stadt zu bauen: Waldkirch, am Handelsweg durchs Elztal. Die Kastelburg direkt ├╝ber der Stadt ist Ausdruck von Macht und Status. "Mein Tal, meine Stadt, mein Handelsweg" , erkl├Ąrt der ehrenamtliche Burg- und Stadtf├╝hrer Thomas Kern. F├╝r eine wirksame Kontrolle liegt die Schwarzenburg zu weit ab vom Schuss.

Also baut sich ein Teil der Schwarzenberger Familie den neuen Sitz. "Und nat├╝rlich haben sie sich mit dem anderen Teil verstritten" , erz├Ąhlt Kern. Die d├╝rfte es gefreut haben, dass auf der Kastelburg bald das Geld ausgeht: 1324 ger├Ąt der Burgherr in Gefangenschaft und verpf├Ąndet, um das L├Âsegeld zahlen zu k├Ânnen, seinen Besitz an Habsburg. Er kann das Geld nie zur├╝ckgeben. Die Habsburger haben einen Fu├č im Elztal, die Kastelburg wird vorder├Âsterreichisches Lehen. Das ├╝bernimmt bald Martin Malterer, eigenwilliger Sohn aus reichem Freiburger Haus. "Er wollte die Familienfirma nicht ├╝bernehmen, sondern Ritter werden." Also kauft er die Burg und baut sie prachtvoll aus. "Und er hat nicht nur Flausen im Kopf gehabt, sondern sie auch gelebt" , sagt Kern: Ritter Malterer zieht f├╝r Habsburg in die Schlacht - und stirbt bei Sempach. Auf der Kastelburg zieht mit Graf Hermann von Sulz ein veritabler Raubritter ein. Mal entf├╝hrt er einen hochgestellten Abt, um Geld zu erpressen; mal schickt er seine Kriegsknechte auf Raubz├╝ge. Die Bev├Âlkerung nennt sie "Blutzapfen".

Statt Adligen setzen die Habsburger im 16. Jahrhundert Beamte auf der Kastelburg ein. "Doch die Bev├Âlkerung kommt vom Regen in die Traufe, die Beamtenherrschaft ist genauso habgierig" , sagt Kern. Die Burg wird zum Gericht und Gef├Ąngnis. "1590 bis 1630 war die grausamste Zeit." W├Ąhrend des Hexenwahns ist das Turmverlies voll, in der Folterkammer werden Gest├Ąndnisse abgepresst. Wer dabei nicht stirbt, wird auf dem Waldkircher Marktplatz verbrannt. Im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg nehmen die Protestanten von der Hochburg bei Emmendingen die katholische Kastelburg ein und belagern die Stadt. 1634 kommt es zum Showdown: Habsburgische Truppen erobern nach harten K├Ąmpfen die Burg zur├╝ck, k├Âpfen den feindlichen Kommandanten, seine Soldaten d├╝rfen abziehen. Doch um die Burg zu sichern, fehlen die Leute. Damit sie dem Feind nicht wieder in die H├Ąnde f├Ąllt, z├╝nden die Habsburger sie selbst an. Seither ist sie eine Ruine.

"Erst mit der Romantisierung im 19. Jahrhundert waren Burgen wieder in" , sagt Kern. Auch in Waldkirch: Ein B├╝rgermeister k├╝mmert sich um den Erhalt, sp├Ąter die Feuerwehr, seit f├╝nf Jahren sind B├╝rger der Aktion "Kastelburg in Not" am Sanieren. Die Geschichte halten F├╝hrungen lebendig, vom Spaziergang f├╝r Senioren ├╝ber den Ritterweg mit Erkl├Ąrungen f├╝r Kinder bis zur ganzt├Ągigen Zeitreise f├╝r Familien, die wieder am 9. September angeboten wird - mit Falkner, T├╝rmer, mittelalterlicher Musik und K├Âchin. Thomas Kern, der T├╝rmer, ist gern nachts auf der Burg, auch wenn er da die Aussicht nicht genie├čen kann. Sieht er daf├╝r die Wei├če Frau, von der Waldkircher Kindern seit jeher erz├Ąhlt wird? Kern winkt ab: "Alles nur Geschichten."
Simone H├Âhl

Zur Kastelburg geht’s vom Waldkircher Bahnhof Richtung Bruder-Klaus-Krankenhaus rechts ├╝ber den Ritterwanderweg (20 Minuten). Der Turm ist von M├Ąrz bis Ende November ge├Âffnet. Infos zu Touren und Anmeldung unter 07681/19433.

 

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Das gro├če silberne Schwert signalisiert: Hier ist der Startpunkt des Ritterwanderweges. Ein Burgfr├Ąulein zeigt den Weg zur Kastelburg.

Burgfr├Ąulein weist den Weg zu Rittern

Der Ritterwanderweg in Waldkirch hat jetzt eine Starttafel mit Schwert, Burg und Fr├Ąulein

Waldkirch.  “Acht Ritter sind genug, jetzt muss ein Fr├Ąulein her” - Ursula Querfurth, die Initiatorin des Ritterwanderweges, und Holzbildhauer Klaus - Dieter Kienzler setzten die Anregung der ehemaligen Viertkl├Ąssler der Schwarzenbergschule gleich in die Tat um. Und so markiert seit einigen Tagen eine gro├če Holztafel mit einem Burgfr├Ąulein den Beginn des Ritterwanderweges zur Kastelburg.
      An der Strasse in Richtung Krankenhaus ist am Abzweig zum ehemaligen Staatlichen Forstamt schon von weitem eine etwa zwei Meter hohe Holztafel erkennbar, durchtrennt von einem riesigen silbernen Schwert. Die neue Tafel bildet jetzt den Startpunkt des Ritterwanderweges f├╝r die Kinder.
      Ursula Querfurth ├╝bergab zusammen mit Klaus - Dieter Kienzler, Edgar Th├╝mmel sowie Barbara und Thomas Kern das Schmuckst├╝ck der ├ľffentlichkeit. Der im Ortsteil Siensbach lebende K├╝nstler Kienzler hat einmal mehr sein K├Ânnen und Einf├╝hlungsverm├Âgen unter Beweis gestellt: Im Mittelpunkt stehen ein aufrecht stehendes silbernes Schwert und das Burgfr├Ąulein. Das Burgfr├Ąulein tr├Ągt zugleich eine Wappenscheibe des Geschlechtes der Schwarzenberger. Auch Stadtf├╝hrer Thomas Kern kommt ins Schw├Ąrmen: “Eine Klassel├Âsung”, wie der K├╝nstler die Kastelburg mit eingebunden habe. Edgar Th├╝mmel und die Technischen Betriebe sorgten daf├╝r, dass die Starttafel am Waldrand fest verankert ist.
      Bei der Er├Âffnungsfeier wurden schon neue Ideen zur weiteren Attraktivit├Ątssteigerung entwickelt. Spenden kann man daf├╝r auf das Konto bei der Stadtkasse Waldkirch (Sparkasse Freiburg - N├Ârdlicher Breisgau, Konto 230 020 16, BLZ 680 501 01, oder Volksbank Breisgau Nord, Konto 67 202, BLZ 680 920 00): “Stichwort Ritterweg”.
Badische Zeitung, 14.10.2005

 

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